Interview zu Social Media bei der Personalsuche

Vielen Dank für das Interview im Recruitment Club von Careesma.

Was glauben Sie, wie viele Prozent der österreichischen Unternehmen besitzen bereits einen Social Media Auftritt?

Laut Studien der Wirtschaftskammer nutzen in 2013 mehr als 50 % der Betriebe (Geschäftsführer, Selbstständige und IT-Verantwortliche) soziale Medien. Facebook, Twitter und Xing sind dabei die beliebtesten Plattformen: 77 % nutzen Facebook, 56 % verwenden Xing und 24 % setzen auf Twitter.

Bei der Umfrage der WKÖ gaben zwei Drittel der Nutzer sozialer Medien an, zumindest wöchentlich Neuigkeiten zu posten, 18 Prozent tun dies sogar täglich.

Zu Google+ gibt es keine offiziellen Studien und auch Zahlenmaterial wird von Google+ nur spärlich länderspezifisch zur Verfügung gestellt. Meine Vermutungen bewegen sich bei einer mehr als 20 % Nutzung von Google+ in Österreich.

Ich stütze meine Vermutung auf folgende Fakten:

  • 500 Mio weltweite Registrierungen bei Google+
  • 900 Mio weltweite Android Nutzer mit aktiven Google Konto
  • 600.000 Google+ Österreicher waren im Juni 2012 registriert
  • Österreich hat 80.000 Twitter Nutzer und davon sind ca. die Hälfte aktiv

Die Liste der sozialen Netzwerke ist lang. Können Sie uns die 3 wichtigsten in Österreich nennen, in denen eine Präsenz ein absolutes Muss ist und uns erklären warum?

Generell müssen zunächst die Ziele der Social Media Kommunikation festgelegt werden, bevor es an die Auswahl der richtigen Kommunikationswerkzeuge zur Zielerreichung gehen kann.

  • Beim Ziel der Neukundengewinnung gehen viele Unternehmen zunächst auf Facebook, weil man dort nahezu alle Altersgruppen an einem Ort ansprechen kann.
  • Will man neue Mitarbeiter gewinnen, werden Präsenzen (neben Facebook Karriereseiten) in Business Netzwerken wie Xing oder Linkedin (bei internationaler/globaler Ausrichtung des Unternehmens) aufgebaut.
  • Will man das Kundenservice verbessern oder Beziehungen zu Journalisten und Medien pflegen, wird man sich für die Kommunikation auf Twitter entscheiden.
  • Will man technisch affine, neugierige, gut ausgebildete Leute ansprechen, empfiehlt sich eine Präsenz auf Google+. Neben der besseren Auffindbarkeit des erstellten Contents in der Suchmaschine, gibt es auch den Vorteil, dass man den First-Mover-Advantage in Österreich noch in Anspruch nehmen kann. Sehr viele Unternehmen zögern noch, obwohl man um eine langfristige Präsenz in der weltgrößten Suchmaschine nicht herum kommt. Der Suchgigant Google vereint seine mehr als 100 Dienste mit den sozialen Faktoren des Bewertens und Weitersagens. Google+ ist das soziale Rückgrat von Google.

Im HR-Bereich gilt der Hype im Social Media Bereich vor allem wegen dem Stichwort “Personalsuche im Netz”. Glauben Sie, dass diverse Kanäle einen wesentlichen Beitrag zum herkömmlichen Recruiting bringen können?

Die „Personalsuche im Netz”, auch „Sourcing” genannt, gewinnt im War for Talents auf verschiedensten Plattformen immer mehr an Bedeutung. Ich habe beobachtet, wie globale Unternehmen schon die kostenlosen Videokonferenzen (Hangouts) für Recruitinggespräche nutzen. In Österreich hat eine Tageszeitung via Hangout Studenten eingeladen sich mit dem Vorstandsvorsitzender über Karrierechancen auszutauschen. Je größer das Unternehmen ist, desto mehr Social Media Kanäle werden genutzt um auf sich aufmerksam zu machen.

Bei der Personalauswahl wird viel in die Recherche von geeigneten Kandidaten investiert. Hier ist vielen Bewerbern gar nicht bewusst wie transparent sie im Internet sind. Vor Kurzem hatte ich ein Gespräch, wo bei der Besetzung von wichtigen Managementpositionen bei einer eingehenden Internetrecherche ein offizieller und ein privater Twitterkanal des Bewerbers gefunden wurde. Im privaten Profil der Bewerberin hat man sich auf die bevorstehende Geburt des eigenen Babys gefreut 🙂

krones auf facebook

Interview zu Social Media bei der Personalsuche – Karriereseite von Krones auf Facebook

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsnetzwerk?

Seit mehr als 8 Jahren bin ich selbst täglich mehrere Stunden in zahlreichen Netzwerken unterwegs. Ich begann 2004 bei OpenBC (heute Xing), bloggte, nutzte Twitter zur Erhöhung meiner Reichweite und dann folgte Facebook und heute bin ich begeistert von Google+. Es ist mein Lieblingsnetzwerk geworden, weil es alle Funktionen der vorher genannten Netzwerke mit neuen Funktionen, wie Hangouts, in sich vereint.

Als Autor eines Blogs werden meine Artikel – inklusive Anzeige meines Google+ Profilfotos – besser gefunden. Da ich auf Facebook keine Werbung für mein Unternehmen schalte, habe ich dort nur ca. 2.000 Fans. Auf Google+ habe ich, nach nur einem Jahr, mehr als das Doppelte an Folgern. Ich kann Personen oder Unternehmen auf der ganzen Welt “folgen” (wie auf Twitter) und mit ihnen ein Gespräch beginnen, weil es keine Freundschaftsanfragen gibt.

  • Es gibt keine Werbung im Netzwerk und keine Spieleanfragen, die mich von meiner Arbeit abhalten. Ich kann die Sichtbarkeit meiner Beiträge mittels “Kreisen” selbst bestimmen, auf Facebook übernimmt das ein Algorithmus, der mir nur 2-5 % der Inhalte zeigt. Die Listenfunktion funktioniert nicht so gut wie das Filtern durch die Google+ Kreise.
  • Die Google Veranstaltungen, die ich auf Google+ erstelle, sind mit dem Google Kalender verbunden, welcher auf meiner Website immer die aktuellen Termine automatisiert anzeigt.
  • Ich finde aufgrund von hashtags #suchwort sofort aktuelle und weltweite Trends in Echtzeit und ich kann mich mit Gleichgesinnten zu gemeinsamen Interessen sofort austauschen (wie Twitter).
  • Google+ funktioniert mobil genausogut wie am Laptop.
  • Hangouts sind perfekte Beratungsorte im virtuellen Raum, wo ich Dokumente, wie Präsentationen aus meinem Onlinespeicher “drive” gemeinsam mit anderen in Echtzeit bearbeiten oder besprechen kann.
  • Google führt täglich alle seine Dienste immer mehr zusammen und bietet einen unschätzbaren Mehrwert in Form von mehr Sichtbarkeit, Wissensaustausch und Zeitersparnis.

Interview im Recruiting Club

Das vollständige Interview zu Social Media und Personalsuche findet ihr  im Recruiting Club.

Recruiting Club

Original: Interview im Recruitment Club