Buchrezension: Social Media Management

Im Zuge meiner Buchrezension zu Social Media Management von Felix Beilharz bat ich den Autor um ein Interview.

1.Welche Social Media Management Themenbereiche sind aufgrund deiner Erfahrungen am schwierigsten für Unternehmen zu meistern?

Bei großen Unternehmen liegt eine der schwierigsten Herausforderungen in der Komplexität. Wenn es zum Beispiel um einen Filialisten mit mehreren hundert Filialen geht, stellen sich ganz andere Fragen. Soll jede Filiale einen eigenen Auftritt bekommen? Wenn ja, wer betreut ihn? Sollen alle Accounts zentral gemanaged werden? Wenn ja, wie können dann die nötige Individualität und regionale Besonderheiten beachtet werden?

Kleine Unternehmen haben eher ein Problem mit fehlenden Ressourcen. Wenn ein Unternehmen nur aus einer Handvoll Mitarbeiter besteht, die ohnehin schon gut ausgelastet sind, wird sich niemand darum reissen, jetzt auch noch die Social Media Kanäle mitzubetreuen. Häufig schläft dann das Engagement nach kurzer Zeit wieder ein, weil es im Tagesgeschäft einfach untergeht.

2.Welche Tipps (zur Meisterung obiger Bereiche) würdest du Unternehmen basierend auf deinen Erfahrungen dazu geben?

Komplexität lässt sich durch eine sinnvolle Strategie und durch Ausnutzung von Synergien in den Griff bekommen. In der Strategie wird klar definiert, wer was macht, was erreicht werden soll und wie die Zielerreichung überprüft werden kann. Hier muss ein praktikabler Mittelweg zwischen dem gefunden werden, was möglich wäre und dem, was realistisch machbar ist. Synergien können dann ausgenutzt werden, wenn das Unternehmen vorhandene Strukturen, vorhandenen Content und vorhandene Kanäle mit einbezieht. So bietet zum Beispiel eine Messe, die ohnehin im Jahresplan vorgesehen ist, viele Möglichkeiten, auch social media-mäßig einbezogen zu werden. Oft liegt schon Content aus Kundenzeitschriften oder sonstigen Veröffentlichungen vor, der aufbereitet und verwendet werden kann.

Bei KMU kann das Social Media Engagement nur funktionieren, wenn dem Thema wirklich Prioriätät eingeräumt wird. Social Media Marketing muss als Teil des Marketings und damit als „echte“ Arbeit angesehen, budgetiert und in die Unternehmenskommunikation etabliert werden. Das bedeutet auch, den Mitarbeitern Zeit und Freiraum dafür einzuräumen und regelmäßige Meilensteine zu installieren. Das funktioniert am besten, wenn die Geschäftsleitung selbst vom Thema überzeugt ist und den Ausbau vorantreibt.

In jedem Fall gilt: die Unternehmen können viel aus anderen Ländern oder Branchen lernen. Wer in Social Media aktiv ist, sollte regelmäßig auch die Aktionen und Auftritte anderer Player verfolgen und auswerten, was davon übernommen werden bzw. woraus man lernen kann. Häufig ergeben sich so gute Ideen und Ansatzpunkte für effektiveres und erfolgreicheres Vorgehen.

erfolgsmessung

Social Media Erfolgsmessung – Buchrezension: Social Media Management

3.Was sind aus deiner Sicht die meisten Kennzahlen, die beim SM Monitoring zumeist herangezogen werden? Gibt es dazu Empfehlungen deinerseits für kleine und für große Unternehmen?

Die am häufigsten genutzte Kennzahlen sind sicherlich einfache Daten wie die Anzahl der Fans, der Follower oder der Kontakte in den sozialen Netzwerken. Diese Zahlen können jedoch höchstens den Anfang darstellen und reichen für eine sinnvolle Auswertung der Erfolge nicht aus.

Ausgefeiltere Kennzahlen wie die Stimmung von Erwähnungen (Sentiment) oder der Anteil der Erwähnungen im Verhältnis zur Konkurrenz (Share of Voice) werden (noch) eher selten erhoben. Das liegt daran, dass diese Werte schwierig zu messen sind und es im deutschsprachigen Raum nur wenige bezahlbare Tools oder Anbieter gibt, die das zuverlässig leisten können.

In den letzten Jahren versuchen immer mehr Unternehmen, auch einen konkreten Social Media ROI zu ermitteln. Hierfür ziehen sie verschiedene Ansätze heran. Ein allgemein gültiges Vorgehen hat sich dabei jedoch noch nicht herauskristallisiert.

4.Welche aktuellen Trends für 2013 kannst du zurzeit erkennen?

Ein Trend ist auf jeden Fall die immer weitergehende Verlagerung der Internetnutzung in den mobilen Bereich. Smartphones sind in vielen Bevölkerungsschichten mittlerweile ein Alltagsgegenstand. Und dank günstigen Mobile-Flatrates gehört die mobile Internetnutzung zum Alltag. Das wirkt sich in jeden Bereich aus: unterwegs werden die Facebook-Nachrichten gecheckt, E-Mails verschickt oder nach guten Geschäften in der Gegend gesucht. Dabei findet eine Verknüpfung von lokalen, sozialen und mobilen Anwendungen statt. Dieser Trend nennt sich „SoLoMo“, was für Social, Local und Mobile steht. Und genau darum geht es. Das soziale Internet wird mobil und lokal.

Ein Nutzer befindet sich in einer fremden Stadt. Er möchte gerne Abendessen gehen. Also sucht er mit seinem Smartphone bei Google nach einem Restaurant in seiner unmittelbaren Nähe. Er findet einen Italiener, der bereits zahlreiche positive Kundenrezensionen hat. Vielleicht fragt er sogar bei Facebook seinen Freundeskreis, ob jemand schon einmal in diesem Restaurant war. Auf jeden Fall hinterlässt er nach seinem Besuch einen Eintrag auf der Facebook-Seite des Restaurants. Und das alles vom Smartphone aus.

Ein weiterer Trend ist die immer stärkere Verknüpfung zwischen Social Media und den Suchmaschinen. Bereits heute bezieht Google Die +1-Klicks in die Suchergebnisse mit ein. Wenn man einen Blick in die USA wagt, ist die Integration dort schon sehr viel weiter vorangeschritten. In Zukunft wird es nicht nur darauf ankommen, eine möglichst gut optimierte Website zu haben, sondern vor allem auch in Google+ aktiv zu sein. Nur so lässt sich dann noch eine entsprechende Reichweite in den Suchmaschinen generieren.

Wie Marketing und PR Social Media tauglich werden

Social Media Management

Buchrezension: Social Media Management – Leseprobe beim Verlag

Meine Rezension

Ein sozialer Dialog auf Augenhöhe mit Kunden erfordert ein zeitnahes, aktives Social-Media-Management: publizieren, interagieren, netzwerken. Diese Buch ist ein guter Begleiter für das neue Berufsbild des Social Media Managers. Hier findet der Manager Hilfestellungen zu seinen täglichen Arbeiten, wie Strategieentwicklung, Zieldefinition, Kanalauswahl, Zeitmanagement, Monitoring, Krisenkommunikation und rechtlichen Grundlagen. Zahlreiche Ansätze zur Entwicklung einer Social Media Strategie (Post-Framework, 7C Modell nach Mirko Lange, ZEMM-MIT Methode, Trampelpfad-Modell) helfen bei der Erarbeitung der Social Media Strategie mit ausgewählten Zielen und KPIs. Der Autor gibt eine kurze Übersicht zu den wichtigsten sozialen Netzwerken & Tools, wie Facebook, Google Plus, Xing, Linkedin, Pinterest und Slideshare. Mitarbeitersuche im Web 2.0 wieder ebenso aufgezeigt, wie die professionelle Steuerung von Public Relations inklusive einem Action-Plan bei Krisen. Es gibt zahlreiche Hinweise zur Erfolgsmessung anhand von Werkzeugen. Interessant fand ich die Aufgabenverteilung nach dem Eisenhower-Prinzip zur Setzung von Prioritäten im Zuge des täglichen Zeitmanagements. Kapitel 10 widmet sich dem umfangreichen Kampagnenplanung und den rechtlichen Hinweisen im Social Web. Am Ende des Buches findet der Leser weitere Tipps mittels Interviews von Leuten aus der täglichen Praxis. Alles in allem ein empfehlenswertes Buch für jeden Social Media Manager, der Social Media Grundkenntnisse mitbringt.

Buch bei Amazon

[aartikel]3869801441:left[/aartikel]

Social Media Management

Felix Beilharz

Felix Beilharz ist aktiver Blogger, Berater und Dozent für Social Media und Online-Marketing. Seit 2002 berät er mittelständische und große Unternehmen. Der Social-Media-Experte ist gefragter Redner, Autor und publiziert regelmäßig Fachbeiträge in Online- und Printmedien.

Felix Beilharz | Amazon | Leseprobe beim Verlag