Social Media Texte richtig verfassen – Interview und Buchrezension

Das nagelneue Buch von Florine Calleen zum Thema Social Media Texten ist gerade erschienen und die Autorin war so nett und hat sich Zeit für ein Interview genommen. Ihr findet sie auf Facebook unter Text@Plan – auf Twitter – und auf About.me seht ihr alle Links.

Interview mit Florine Calleen

Wie textet man auf Facebook richtig?

Eher kurz als lang, leicht, freundlich und etwas gewürzt mit einer Prise Humor. Untersuchungen haben gezeigt, dass Drei-Zeilen-Posts am besten ankommen. Nach meiner Erfahrung können es unter Umständen etwas mehr sein. Beispielweise, wenn man den Beitrag durch einen Absatz optisch gliedert. Je nach Thema und Zielgruppe können es dann auch acht Zeilen sein. Patentlösungen für alle Seiten gibt es  aber nicht: Eine Produktseite, eine Künstlerseite können unterschiedlich betextet werden.

Hohe Posting-Kunst sind die Ein-Wort-Beiträge. Mein Tipp zur Weihnachtszeit: Ein verführerisches Bild von frisch gebackenen Plätzchen und dazu einfach ein „Endlich!“ oder „Mmmmmhhh ….“. Kombiniert mit einem Link auf die Webseite mit dem Rezept erzielt man sehr gute Klickraten. Aber nur ab und zu einsetzen, damit kein Gewöhnungseffekt eintritt.

Am wichtigsten ist das „Storytelling“: eine kleine Geschichte erzählen. Da braucht es nicht viele Wörter für. Und dann noch ein passendes Bild dazu – das ist perfekt.

Für eine werbliche Seite empfieht sich ab und zu ein sogenanntes Call to action: eine kleine Handlungsaufforderung, z. B. als direkte Frage an die Fans mit („Du“/“ihr“). Dann werden diese angeregt, zu kommentieren, zu liken – oder sogar zu kaufen. Allerdings nicht zu plakativ, das schreckt viele ab.

Welche Fehler sind die häufigsten, die Ihnen auf Facebook aufgefallen sind?

Ellenlange Posts, die im „Nirvana“ verschwinden. Stattdessen den Text mit einer flotten Überschrift und einem interessanten Anreißertext in die „Notizen“ (Reiter unterhalb des Titelbildes) packen. Dann auf die Seite teilen, so hat ein langer Beitrag bessere Chancen. Und mit dem Editor kann man den Notizentext zusätzlich formatieren.

Fatal sind zu viele Rechtschreibfehler, aber auch Kommafehler, die den Sinn eines Satzes verändern können. Uneinheitliche Groß- und Kleinschreibung innerhalb eines Posts sollte ebenso vermieden wie ein zu stark ausgeprägter Werbecharakter. Das schreckt viele User ab und es passiert nichts …

texte für Social Media

Texten für das Social Web von Florine Calleen

Kennen Sie ein Unternehmen, welches auf Facebook besonders gut Texte verfasst?

Mir gefallen verschiedene Seiten: das Fußball-Magazin „11 Freunde“ – mit einem tollen Mix aus Bildern, Links und kecken Texten. Die Texte von „Nutella Deutschland“ finde ich prinzipiell klasse – manchmal steht da nur eine simple Frage, ohne Bild. Allerdings stören mich momentan ihre nervigen Payback-Postings. „BMW Karriere“ macht vor allem eines richtig: Sie spricht ihre Zielgruppe mit „Du“ und „ihr“ an – das gefällt jungen Bewerbern. Die dm-Tocher „Alverde Naturkosmetik“ veröffentlich eindeutige Werbebotschaften – hauptsächlich zu Pflegeprodukten und Kosmetik. Aber die Administratoren schreiben flockig-locker und schaffen es, mit ihren Kunden in Dialog zu treten. Die Beiträge der Stiftung Warentest lese ich ebenfalls gern, obwohl sie meistens deutlich länger als 3 bzw. 8 Zeilen sind. Aber hier tummeln sich ja eher kritische Geister. Und die werden sehr gut informiert, manchmal etwas unterhaltend oder mit direkter Anrede.

Welche konkreten Unterschiede gibt es zwischen dem Texten im Print- und Texten im Social Web-Bereich, abgesehen von den technischen Funktionen?

Zunächst mal die Gemeinsamkeiten. Es gilt, die Zielgruppe anzusprechen. Als politischer Journalist eines Wochenmagazin, Texter einer PR-Agentur oder als schreibender Einzelunternehmer: Es geht darum zu informieren, zu unterhalten, zu bilden oder neugierig machen. Dabei richtet man sich an die Leser – egal, für wen und wo man schreibt.

Natürlich ist ein Zeitungsartikel nicht mit einem Facebook-Posting zu vergleichen. Aber in den bereits erwähnten Notizen, auf Google+ oder in den Themen bei XING ist ja Platz für die langen Social-Media-Beiträge. Dort finden sich solche User, die gern längere Texte lesen – und darüber diskutieren (besonders bei Google+). Und umgekehrt finden sich in den Tageszeitungen kurze Meldungen, Glossen oder Kommentare.

Sollte man sich vor dem Texten eigentlich auch Gedanken zu den Zielen machen?

„Erst denken, dannn klicken!“ ist meine Devise. So vermeidet man manche böse Überraschung – vor allem, was Namen, Zahlen, Fakten  und so weiter betrifft. Wer auf die Entertaste drückt und seinen Post ins Netz katapultiert, trägt die Verantwortung dafür – und indirekt für die darauf folgenden Beiträge der Freunde, Fans und Follower!

Wenn ja, wie geht man dabei am Besten vor? Gibt es da einzelne Schritte, die du empfehlen würdest?

Deshalb empfehle ich, nach meiner Posting-Pyramide zu arbeiten:

  1. Die Idee entwickeln – das ist das solide Fundament.
  2. Darüber nachdenken: Was genau soll das Posting beinhalten, wer ist die Zielgruppe, wann soll es raus, welche Bilder passen dazu – oder wenn zuerst das Bild da ist: Passt der Text dazu?
  3. Den Rahmen festlegen: Zeitpunkt, Inhalt, Bild bzw. Link überprüfen, z. B. auf Copyright
  4. Den Text (vor)schreiben.
  5. Kontrollieren: Text auf Fehler prüfen sowie Stimmigkeit, Richtigkeit des Inhalts, Sprache etc. überprüfen; gegebenefalls korrigieren und erneut kontrollieren.
  6. Klicken, wenn für gut befunden – und ab geht die (der) Post!

Meine Buchrezension

Beim Lesen von Florine Calleen´s Buch bekommt der Leser einen guten Überblick zum Texten in den wichtigsten sozialen Netzwerken, wie Facebook, Google+, Xing, Twitter, Linkedin, Twitter, about.me und Pinterest. Nach einer Erklärung des Fachjargons (Status, posten, sharen, liken, folgen) werden die unterschiedlichen Funktionen beim „Posten“ von Texten aufgezeigt. Zur Zielfindung wird die eigens erstellte Posting-Pyramide (siehe oben „einzelne Schritte“) empfohlen.

Beim Texten auch an die Suchmaschinen als Leser zu denken, ist immer eine gute Idee, denn man will ja gefunden werden. Mit dabei ist auch die Netiquette für die Social Media Kommunikation, also die empfohlenen Verhaltensregeln und die Überlegungen zum Mehrwert beim Texten, die es einzuhalten gilt, wenn man Dialoge anstoßen will.

Immer wieder findet man nicht nur Tipps zum Texten, sondern auch Beispiele von Unternehmen. Das Buch erklärt nicht wie man schreibt, also Texte verfasst. Es ist mehr für Texter geschrieben, die das Texten in den sozialen Netzwerken verstehen wollen.  Das 200 starke Buch liest sich sehr leicht und locker, so wie die Texterin selbst also auch in den sozialen Medien kommuniziert.

Neben den vielen guten Tipps rund um das Schreiben von Beiträgen in sozialen Medien, gibt es auch einen Entwurf für Social Media Guidelines (Leitfaden und Empfehlungen für den Umgang) der begleitet wird von Tipps im Umgang mit Trollen. Hilfreich fand ich die Erklärung zu Trollen, Spassvögeln und Spamern an Hand von Beispielen. Manche scheinen zum Stänkern geboren zu sein, deshalb ist der generelle Umgang bei Shitstürmen sehr interessant und hilfreich. Aktuelle Beispiele von Stürmen der Entrüstung bei Nestle, Vodafone und Deutsche Bahn zeigen auf sehr unterhaltsame und lehrreiche Weise wie man sich wehren kann.

Die Umfangreiche Literaturliste auf der Website von Florine Calleen herunterladen

Weitere Rezensionen von diesem Buch

Rezension von Guido Augustin, auch bekannt durch die www.immer-freitags.de Webinar Akademie

Rezension von Tina Gallinero, einer Social Media Agentur Extrawerbung

Buch bei Amazon

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Das Texten für das Social Web wird Mithilfe von Florine Callen´s Buch ganz leicht. Sie beschreibt die wichtigsten sozialen Netzwerke (Facebook, Twitter, Google+, Pinterest, about.me, Xing  und Linkedin) und ihre Eigenheiten betreffend Texten. Das Buch ist für Texter geschrieben und nicht für Leute, die das Texten lernen wollen. Ein sehr gutes Handbuch, dass Textern bestimmt hilft sich im Social Web zurecht zu finden.

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